Warum wurde Hofer gewählt?

Das ist die Frage, die sich viele stellen – auch ich setzte mich damit auseinander. Wenn man die Wahltagsbefragung von ORF/ISA/SORA (siehe http://orf.at/wahl/story/2336467.html) betrachtet, sind die Hauptmotive der Wähler von Herrn Hofer folgende

1. 67% – Versteht meine Sorgen am besten
2. 62% – Ist kompetent
3. 61% – Vertritt die richtigen Werten
4. 61% – Ist mir persönlich sympathisch
5. 47% – Ist Kandidat der FPÖ

Erst an achter und neunter Stelle (von zehn Auswahlmöglichkeiten) kommen „28% – Bester innenpolitischer Vermittler“ und „27% – Bester Vertreter Österreichs im Ausland“.

Ich werde hier jetzt auf die Punkte 1 und 3 eingehen, weil mir (teilweise) nicht klar ist ob Hofer die Sorgen versteht und auch nicht ob seine Werte die richtigen sind.

Was sind meine/unsere Sorgen?

– Ich und meine Familie/Freunde/… wollen in Sicherheit leben und keine Angst haben.
– Habe ich (und meine Familie) genug zu Essen?
– Kann ich die nächste Miete/Rate/etc. bezahlen?
– Was passiert mit meinem Kind – kann es friedlich aufwachsen?
– Kann ich meinem Kind die Bildung ermöglichen die es braucht/verdient?
– Wie wird für mich gesorgt, wenn ich älter werden?

Das sind nur einige Punkte, die mir als erstes in den Sinn kommen – es gibt noch zig mehr Sorgen, meist auch sehr speziell von jedem einzelnen abhängig.

Welche Sorgen versteht Herr Hofer?

Meiner Meinung nach punktet Herr Hofer und seine Partei vor allem beim ersten Punkt: Sicherheit. Viele haben Angst vor dem großen Asylansturm. Die Flüchtlinge stammen aus einem anderen Land/Kontinent, sprechen eine andere Sprache, haben eine andere Religion. Ein altes Bauernsprichwort (-weisheit) sagt: „Was der Bauer net kennt, isst er net.“ Das trifft auf viele zu: Etwas was ich nicht kenne, macht mir Angst. Aber ist eine Politik des Angstmachens die richtige? Ich denke, die Bevölkerung sollte besser aufgeklärt, mehr informiert werden. Vielleicht kann damit zumindest ein Teil der Angst genommen werden.

Auch andere der oben angeführten Sorgen mag Herr Hofer verstehen, doch handelte er (bzw. seine Partei) oft anders, als ich mir jemanden vorstelle, der versucht, sich diesen Sorgen an zu nehmen.

Welche Werte vertritt die FPÖ?

Die Werte stehen für mich im Zusammenhang mit den Sorgen. Mit den richtigen Werten (und dementsprechendem Handeln) kann Leuten die Sorgen nehmen. Aber die FPÖ hat in den letzten Jahren oft nicht so gehandelt. Dazu verweise ich auf den Artikel vom Oktober 2015 „Stimmverhalten der FPÖ im Parlament“ (Link). Hier hat sich jemand die Mühe gemacht, verschiedene Gesetzesbeschlüsse (u.ä.) der letzten Jahre durchzuschauen. Das Verhalten der FPÖ wirkt für mich nicht so, als ob sie die richtigen Werte vertreten. Ob sich die FPÖ dadurch meinen/unseren Sorgen annimmt, wage ich auch zu bezweifeln. Auf ein paar Punkte aus dem Artikel, die die Werte und Sorgen betreffen, werde ich nun näher eingehen.

Erhöhung des Pflegegeldes/Pflegefonds

Die Bevölkerung wird immer älter und auch deshalb immer mehr Menschen pflegebedürftig. Dieses Thema betrifft (früher oder später) einen Großteil der Bevölkerung – Warum man hier dagegen stimmt, ist mir nicht klar.  Mit mehr Geld für die Menschen/Organisationen, die in diesem Bereich arbeiten – Danke dafür! –  kann wahrscheinlich einigen Menschen geholfen und ihnen vielleicht ein Teil ihrer Angst genommen werden.

Geld/Lohn/Finanzielles

Viele Sorgen drehen sich meiner Meinung nach um das Thema Geld bzw. auch darum was mit meiner Familie passiert, wenn dem/der AlleinverdienerIn etwas zustößt. Auch zu diesem Themen gab es in den letzten Jahren einige Abstimmungen. Die FPÖ stimmte dabei gegen

– Bedarfsorientierte Mindestsicherung

„Mit der Bedarfsorientierten Mindestsicherung (BMS) sollen all jene Menschen unterstützt werden, die für ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft nicht mehr aufkommen können. Es wird der notwendige monatliche Bedarf an Nahrung, Kleidung, Körperpflege, Beheizung und Strom, Hausrat, andere persönliche Bedürfnisse wie die angemessene soziale und kulturelle Teilhabe sowie Wohnbedarf mit einem jährlich neu festgelegten Geldbetrag ausgedrückt.“
Quelle: help.gv.at
Die FPÖ scheint dies als nicht notwendig zu erachten.

– Unterstützung beim Job-Wiedereinstieg
Vor allem für etwas ältere Menschen stellt es oft eine große Schwierigkeit dar, nach einer Entlassung eine neue Arbeitsstelle zu bekommen. Oft geht dies auch mit der Angst einher, einen finanziellen Abstieg hinnehmen zu müssen. Auch hier ist das „NEIN“ der FPÖ für mich ein „falscher Wert“.

– Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
Eine Frau die in der gleichen Position ist wie ihr männlicher Kollege sollte (so denke ich mir das zumindest) für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten. Die FPÖ denkt anscheinend anders.

– Überbrückungsgeld für Bauarbeiter

– Paket gegen Lohn- und Sozialdumping

Kinder

Die Kinder stellen die Zukunft unseres Landes dar. Es sollte alles Mögliche unternommen werden, dass jedem Kind jene Ausbildung ermöglicht wird, das es sich wünscht. Aber schon bei den Kleinsten unserer Gesellschaft sieht das die FPÖ anders, die gegen ein gratis verpflichtendes letztes Kindergartenjahr stimmte. Auch gegen die tägliche Turnstunde ist die FPÖ und mehr Geld für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit will die blaue Partei auch nicht ausgeben. Eine Anpassung bzw. Modernisierung des Fortpflanzungsmedizingesetzes kommt für die FPÖ auch nicht in Frage.

Andere Themen

Wenn man sich noch ein paar andere Abstimmungen der FPÖ ansieht, komme ich zum Schluss, dass sie eher die Werte (und Sorgen) der reichen/wohlhabenden, mächtigen MitbürgerInnen und Konzerne/Banken vertritt und nicht die der „normalen ÖstereicherInnen“. Sie stimmte gegen:
– Begrenzung von Luxuspensionen
– Europäische Sozialcharta für bessere Arbeitsbedingungen
– Streichung von Steuerprivilegien für Konzerne und Manager
– Bankenabgabe

Konklusion

Wenn man für ein „eingezäuntes Österreich“ mit abgeschotteten Grenzen ist und (nahezu) keine Flüchtlinge aufnehmen will, ist man wahrscheinlich mit der FPÖ/Herrn Hofer am besten beraten. Wir sollten aber abwiegen, wie viel wert unsere anderen Sorgen sind. Auch sollten wir uns bewusst werden, welche Politik die FPÖ in anderen Themenbereichen als der Asylfrage betreibt. Die Werte der „kleinen ÖsterreicherInnen“ wird meiner Meinung nach von dieser Partei nicht vertreten. Ob die Werte richtig sind? Für manche wahrscheinlich schon, für andere (den Großteil?) denke ich nicht.

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